Preisträger_innen

Wir wünschen alles Preisträger_innen herzliche Glückwünsche

Gewonnen haben in den Kategorien


> International Competition

We'll Be Alright (Bref manuel de libération) von Alexander Kuznetsov

Jurybegründung

"Von der ersten Minute an nimmt uns diese scheinbar unfassbare Geschichte ein, wird fassbar - und schmerzt. Jahrelang folgt der Regisseur seinen ProtagonistInnen mit großer Nähe, Empathie und Genauigkeit. Sein direkter, filmischer Zugang in diverse Institutionen voller kafkaesker Momente und menschenverachtender Szenarien zieht unsere Aufmerksamkeit bis zur letzten Minute an sich. Während wir der Ohnmacht ins Auge sehen, entlarvt dieser Film die Mächtigen und führt deren fragwürdige Einteilung in Normalität und Abnormalität ad absurdum.

In Bref manuel de libération zeigt Alexander Kuznetsov junge Menschen, die, ihrer elementarsten Grundrechte beraubt, für ein selbstbestimmtes Leben kämpfen, berührend und auf den Punkt gebracht.

Die Jury hat sich eindeutig und einstimmig für diesen Film entschieden.

Wir gratulieren Alexander Kuznetsov und seinen ProtagonistInnen zu diesem starken Film! Wir hoffen, dass er von vielen Menschen gesehen und in diesem Fall - und nicht nur in diesem - entsprechend positive Wirkung zeigt."

Jurymitglieder: Doris Kittler | Lukas Stepanik | Veton Nurkollari

Preis: 2000 €



> Austrian Competition

Those Shocking Shaking Days von Selma Doborac

Jurybegründung

"Unser Hauptpreis geht an einen Film, der auf schonungslose, mutige, souveräne Art mit filmischen Konventionen bricht. Ein Film, der das Filmische mit radikalem Purismus zurückführt auf seine Elemente Bild, Ton, Text und Sprache. Und dabei nicht nur das Medium an sich hinterfragt, sondern auch, am Beispiel des Bosnienkriegs, die konventionelle mediale Darstellung von Krieg und Kriegsgräuel.

So entsteht ein völlig originäres und dabei nie selbstzweckhaftes Werk von beeindruckender Kraft und intellektueller Tiefe. Ein Film, wie man ihn noch nicht gesehen hat. Ein Film, den die, die ihn gesehen haben, nie mehr vergessen werden.

Wir, die Österreich-Jury, freuen uns sehr, den Preis für den Besten Österreichischen Dokumentarfilm an Those Shocking Shaking Days von Selma Doborac verleihen zu dürfen."

Lobende Erwähnung: Tanz und Gib Ihm! von Tina Leisch

"Ein junger Bursche fragt einen Mann: 'Und wie alt sind Sie?' Der Mann druckst herum. Rückt dann damit raus: '54.' Junge: 'Aber Sie sehen viel älter aus.'

Ehrlich wie seine Protagonisten, kommt Tanz und Gib Ihm! daher. Immer auf Augenhöhe mit den Figuren, die sich, und die Welt rund herum, darstellen, zurecht biegen. Direkt und ungezwungen, furchtlos und entblößend. Zugleich liebevoll und zart. Grenzen werden verwischt, um Platz zu schaffen. Für alle. Diskurs- und identitätsstiftend, offen und frei wie seine Form. Tina Leisch gelingt ein intimes und unterhaltsames Generationen-Portrait, in dem Alter, Herkunft, Geschlecht und Orientierung verloren gehen - wie die Unschuld. Aber auch die war vielleicht nur Konstruktion."

Jurymitglieder: Judith Benedikt | Thomas Reider | Albert Meisl

Preis: 2000 € (gefördert durch die VdFS)




> up and coming

Hidden Photos von Davide Grotta

Jurybegründung

"Ausgehend von aufbewahrten, individuellen Erinnerungsbildern spannt sich der konzeptuelle Bogen in ein Außen der Erinnerungsgeschichte eines Landes.

Einst schreibt und löscht ein Regime Bilder – heute sucht ein Film den Ausweg aus dieser ikonografischen Geltung und Ausschließlichkeit solcher Geschichtsbilder.

In einem unaufgeregten, vielschichtigen und in sich ausgewogenen audiovisuellen Konzept meidet der Film einen tendenziösen und urteilenden Blick. Durch die sukzessive Offenlegung seiner Erzählstrukturen verweist er auf eine Unabschließbarkeit von Geschichtsschreibung – und begegnet Bildpolitik mit Bildkunst.

Diesem innovativen Debütfilm wollen wir einen Kinostart ermöglichen und freuen uns, den up and coming Preis an den italienischen Dokumentarfilm Hidden Photos von Davide Grotta zu vergeben."

Jurymitglieder: Selma Doborac | Jana Koch | Domink Tschütscher

Preis: Kinostart in Österreich


> exp:∆n:ded shorts

True or False (Pravda Nebo Lez) von Haruna Honcoop

Jurybegründung

"Der von uns gewählte Film wagt es, nichts zu erklären und alles zu kommentieren. Er tut dies durch einen absolut virtuosen Umgang mit seinem visuellen und akustischen Material. Mit Kunstfertigkeit und Humor stellt die Regisseurin eine Diskrepanz dar: zwischen der gewünschten Selbstrepräsentation politischer Systeme und der Demontage dieser 'offiziellen Ideen' durch Öffentlichkeiten, in denen Menschen sich Panzern entgegenstellen, ihre Wut verleidenschaftlichen, sie hinausschreien.

Manchmal stehen die Bilder für sich selbst – dann braucht es eine Regisseurin mit exzellentem Fingerspitzengefühl, um die Bilder sprechen zu lassen."

Jurymitglieder: Melanie Letschnig | Franziska Bruckner | Ulrich Kaufmann

Preis: 1000 €





> The Future Is Ours To See | Jugendjurypreis

The Fits von Anna Rose Holmer

Jurybegründung

"TBA"

Lobende Erwähnung: Sonita von Rokhsareh Ghaem Maghami und Babai von Visar Morina

"Wir möchten auch eine lobende Erwähnung und große Anerkennung für die Filme Sonita und Babai aussprechen. Dafür, dass sie unterschiedliche , besonders schwierige Lebensrealitäten und Schicksale auf so einfühlsame und vielschichtige Weise nah erfahrbar machen.

Babai, ein Spielfilm über die Emigration eines Vaters und seines Sohnen aus dem Kosovo nach Deutschland, hat uns aufgrund seiner einfühlsamen, besonderen Bildsprache sehr berührt, durch die der Wandel der Charaktere im Laufe des Filmes und vor allem auch die Sicht des jungen Buben "Nori", seine Sorgen und seine Starke Beziehung zu seinem Vater gut nachempfunden werden können. Auch hat uns die aufwendige Gestaltung des Filmes beeindruckt, durch die ein umfassendes Bild der verschiedenen Stationen der Flucht entsteht.

Auch die Dokumentation Sonita, über ein junges Mädchen, das trotz der für sie existenzbedrohenden und sehr einschränkenden religiösen Tradition darum kämpft Rapperin zu werden, hat uns sehr berührt. Aufgrund ihres starken Mutes und ihrer Entschlossenheit und auch aufgrund der Schwierigkeiten auf ihrer persönlichen Reise, die nicht nur ihr Leben, sondern auch das Bestehen des Filmes bedrohen und in die man somit auf sehr direkte Weise Einblick bekommt. Wir wurden dazu angeregt nicht nur über die Thematik an sich, sondern auch über Film und seine Aufgaben, Ziele und Möglichkeiten nachzudenken."

Jurymitglieder: Rosi Wegenstein | Apollonia Stoisits | Alex Lazarov

Preis: 400 €