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COMPLICIT

Reiche Unternehmen & Arme Gesellschaften

Der Preis des “Glücks“

Die gesamte Anzahl verkaufter Handys, Laptops, PCs und Tablets weltweit im ersten Halbjahr 2018 beträgt fast 830Millionen Stück. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) werden fast ebenso viele Millionen Tonnen Elektroschrott in derselben Zeitspanne produziert. Knapp ein Drittel davon wird ordnungsgemäß gesammelt. Diese Zahlen scheinen erschreckend, zeigen aber die menschliche Abhängigkeit von Technologien und beleuchten die Folgen dieses Massenkonsums. Beeinflusst von Medien, Werbungen und Trends suchen wir immer nach Neuem, Besserem, Modernerem und natürlich nach den vorteilhaftesten Optionen, ohne Gedanken daran zu verschwenden, wer tatsächlich den Preis des neuesten Smartphones zahlt.

Konzentriert auf das eigene Leben und die unmittelbare Umwelt wird häufig vergessen, dass Alltagsgegenstände wie Kleidung, Essen, technische Geräte auch von jemandem hergestellt werden müssen. Dies erfordert Zeit, Mühe und Opfer der Menschen, durch deren Arbeit uns ein Luxus ermöglicht wird, in dem zu jeder Zeit alles zur Verfügung steht.

Das Thema der Ausbeutung von Arbeitskräften in Asien beschäftigt die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten. Sogar in einem Zeitalter, in dem es mehr Menschenrechtsorganisationen und -bewegungen als je zuvor gibt, entstehen Probleme mit den Rechten der Mitarbeiter_innen in Fabriken von großen Firmen wie Apple, Samsung, Foxconn und vielen mehr. Unmenschliche und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen sowie schlechte Bezahlung sind die Kosten, die von Arbeiter_innen weltweit, für unseren Komfort und den Profit des Unternehmens, getragen werden.

Complicity = Mitschuld

Der Film COMPLICITzeigt die schlechten Arbeitsumstände und die Folgen von Fabrikarbeit in China, in Anlagen von global führenden Smartphone-Anbietern. Fast 90 % der Smartphones, Laptops und Tablets weltweit werden in China produziert. Auf Grund des ständigen Drucks von Herstellern bezüglich Kostensenkung und Produktivitätssteigerung werden oft lebensgefährliche Chemikalien verwendet, die zu berufsbedingten Krankheiten führen. Der Film erzählt die Geschichten Betroffener.

Viele der Fabrikarbeiter sind auf Grund von Armut gezwungen, in Großstädte zu übersiedeln, um dort einen Job zu finden. Nur so können sie ihre Familien unterstützen. Ein Großteil dieser Arbeitsmigrant_innen sind noch Jugendliche, manche sogar jünger als 16 Jahre alt. Sie arbeiten zum Teil mehr als 60 Stunden, wobei ihnen nur ein freier Tag in der Woche eingeräumt wird. Die restliche Freizeit verbringen sie in Wohngemeinschaften der jeweiligen Fabrik. Die Arbeit mit gefährlichen Chemikalien wie Benzol und N-Hexan erzeugen Krankheiten wir Paralyse und Leukämie. Für die meisten Erkrankten wird jegliche Kompensation seitens der Unternehmen verweigert. Organisationen wie Labor Action Chinabieten Leidtragenden hierbei Unterstützung.

Yi Ye Ting

Eine der Hauptfiguren des Films, Yi Ye Ting, erkrankte mit 24 nach der Arbeit für CIMC an Leukämie. Als Aktivist und Volontär für Labor Action China hilft er nun anderen Menschen mit ähnlichen Schicksalen, Kompensationen zu bekommen. Er ist einen der wenigen unerschrockenen Menschen, die sich gegen große Unternehmen wie Foxconn auflehnen und für die Einhaltung der Menschenrechte kämpft.

Modern Slavery

Die Filmemacher thematisieren nicht die Vorsätzlichkeit großer Unternehmen sondern legen ihren Fokus auf die Gleichgültigkeit der Menschen. Sie appellieren an Menschlichkeit und das Bewusstsein, dass die Veränderung beim Konsumenten anfangen muss. Wir selbst bestimmen, ob wir uns der Manipulation zugunsten einzelner Weniger hingeben, oder wir bewusste Entscheidungen treffen und Zeichen gegen moderne Sklaverei setzen.

Elizabet Petkova

this human world - Festivalblog

Auch in diesem Jahr widmen sich die Autor_innen der festivaleigenen Redaktion wieder den, im Zuge des Festivals verhandelten, Inhalten und geben euch hier im Blog Hintergrundinformationen zu Themenschwerpunkten und Filmen.