Blog

When The War Comes

Am dritten Festivaltag zeigte this human worldden Film When the War Comes, welcher Peter Švrček, den Vorsitzenden der „Slovenski Branci“ dokumentiert. Hierbei handelt es sich um eine nationalistische, rechtsgerichtete Jugendorganisation, in welcher Peter junge Männer für den Fall eines Krieges trainiert, welcher seiner Meinung nach aufgrund des sich verändernden Europas nicht unwahrscheinlich sei.

Diese Dokumentation lieferte die Grundlage für die danach stattfindende spannende Diskussion mit dem Regisseur Jan Gebert, Alexandra Souza Martins (Crime Prevention Officer at United Nations) und Georg List (United), moderiert von Frisco Roscam Abbing (Europäische Union für Grundrechte; FRA).

Begonnen hat die Diskussionsrunde mit der Frage, wie es dem Regisseur gelang, das Vertrauen von Peter zu gewinnen und inwieweit er eine Beziehung zu ihm aufbauen konnte. Gebert wollte Peters dunkle Seite betonen, also sein Ego, welches seiner Meinung nach der leichteste Zugang zu zu zentralen Figur war. Peter sei ein Selbstdarsteller und hätte es genossen, sich vor der Kamera zu präsentieren, wollte jedoch nur bestimmte Seiten von sich zeigen. Er verlangte, dass bestimmte Szenen gelöscht werden sollten, hatte jedoch im Final Cut ganz klar kein Mitspracherecht.

Auf die Frage, ob die Gruppe von ca. 160 Mitgliedern weiter wächst und inwieweit wir beunruhigt sein sollten, erwiderte Jan Gebert, dass ihn mehr das Schweigen der Gesellschaft beängstigte als die Gruppengröße und dass es ihm ein Anliegen wäre, dieses einzufangen. In einem anderen Kontext, einer anderen Gesellschaft, hätte solch eine Art von Organisation, seiner Meinung nach, nicht so eine Präsenz in der Öffentlichkeit und Politik erreicht.

Peter Švrček begründet die Notwendigkeit der Slovenski Branci in der fehlenden Führung durch Regierung oder Politik. Gebert ist der Meinung, die jungen Rekruten würden in einem unsicheren Umfeld aufwachsen und niemand anderer würde versuchen, die verängstigten jungen Menschen eine Alternative zu bieten und sie für sich zu gewinnen, so wie Peter Švrček es tut. Gebert betont hier besonders das Versagen der Liberalen.

Laut Alexandra Souza Martins zeigt der Film den deutlichen Trend auf, dass Heranwachsende von Organisationen mit extremen gewaltsamen Ideen angeworben werden. Diese Rekrutierung stelle ein ernsthaftes Verbrechen und ein Gewaltverbrechen an Minderjährigen dar, Staaten müssten hier unbedingt eingreifen, um dieses Phänomen zu kriminalisieren. Im Film wäre jedoch zu beobachten, dass dies in der Slovakei nicht der Fall sei: die Organisation gerät häufig mit Staatsautoritäten oder der Polizei in Kontakt, jedoch würde niemand versuchen zu verstehen, was vor sich geht.

Abschließend wurde einheitlich betont, dass Jugendlichen ein geschütztes Umfelt garantiert werden und eine Alternative zu Peter Švrček geliefert werden muss.

- Paulina Gilsbach

Journey Through A Small Hole in A Glove

von Anna Schwingenschuh

Die Einsamkeit ist etwas wovor sich viele von uns fürchten, das alleine sein, sich konfrontieren zu müssen. Anna Schwingenschuh zeigt in ihrem Film “Journey Through a Small Hole in a Glove” verschiedene Aspekte der Einsamkeit auf den Lofoten. Sie zeigt die unterschiedlichen Menschen, Ansässige sowie Einwanderer, aus unterschiedlichen Teilen der Welt, die dorthin kommen und eine Verbindung zu den Lofoten aufbauen. Warum gerade die Lofoten zu ihrem Ziel wurden, eine kleine Inselgruppe im Norden Norwegens. Mit nur 24.000 Einwohner zählt es zu den beliebtesten Reisezielen, die Nordlichter, die Wahle und die Ruhe. Die Filmemacherin suchte nach dem Norden, den Winter. Das hat sie dazu gebracht fünf Winter wiederholt dorthin zu reisen. Insbesondere faszinierte sie das Licht, das berühmte Nordlicht. Wie viele andere, die es dorthin verschlägt, suchte sie nach der Einsamkeit. Eine faszinierende Beziehung die man mit Einsamkeit hat, irgendwo zwischen Sehnsucht und Ablehnung. In dieser Einsamkeit hat Anna Schwingenschuh Menschen kennen gelernt, die Menschen in ihrem Film. Die Neugier nach dem Leben dort, wie man klar kommt mit dem Leben - speziell im Winter - hat sie zu dieser einsamen Insel hingeführt.

Anna Schwingenschuh hat eine Art Reise mit ihrem Filmmaterial unternommen und sich große Freiheit in Aufnahme und Schnitt genommen. Manche Geschichten wurden nicht fertig erzählt, manche nur ganz kurz angerissen, manche ausführlich, manche intim und manche sehr oberflächlich. Jedoch waren die Begegnung mit den Leuten intensiv, und das ist im Film spürbar. Der Bezug zu den Menschen war für sie essenziell. Sein, schauen, zuhören, manchmal auch, sich zu zwingen zuzuhören und zuzuschauen.

Tatsächlich ist es so, dass jeder einen Platz braucht auf dieser Welt wo es ruhig ist und die Möglichkeit hat sich zu entfalten. Auf den Lofoten haben vielen diesen Platz gefunden, wo sie alle aus einem turbulenten Leben kommen und dort Ruhe finden. Auf den Lofoten finden alle eine Heimat und beleben und beeinflussen das Leben dieser rauen Insel ungemein. Wie in vielen kleinen verlassen Ortschaften, gibt es eine starke Auswanderung. Wiederum finden die Einwanderer auf der Insel eine neue Heimat und beleben diese. Anna Schwingenschuh meinte, dass es letztendlich nicht leicht als Fremder dort sei. Grace, die erste Philippinin der Insel, hat z.B. zweieinhalb Jahre gebraucht bis ihre Begrüßung erwidert wurde. Auf der Insel ist ein Mikrokosmos entstanden, durch das Zusammenleben verschiedener Kulturen, in vielen Punkten, aber in vielen auch nicht.

Sie möchte eine Geschichte erzählen und dabei die Geschichten einzelner Menschen in den Fokus rücken. Für sie, ist es eine Tatsache, dass jeder eine Geschichte hat. Wenn lange genug eine Kamera auf etwas gehalten wird, dann wird immer etwas passieren.

“Du bist doch zu den Lofoten geflüchtet. Jedoch, nimmt man sich doch immer mit.”

(Journey through a small hole in a glove).

Silvia Gigante

The Right to Political Resistance

Austrian writer Stefan Zweig once said: “Nichts schadet dem geistigen Menschen mehr als Mangel am Widerstand“. Which roughly translates into: “Nothing is more harmful for the intellect of a human being than a lack of resistance.”

This year’s festival is screening a documentary, which highlights the importance of political resistance in a very profound and intimate way. Kinshasa Makambo, directed by Dieudo Hamadi, shows the struggles of the generation of Congolese people who are fighting to have their voices heard. This blog post focusses on the importance of political resistance and the right to it. The history of the DRC is complex but will find its place in this article in order to link the relevance of its past to the present and to underline the importance of resistance.

Political resistance

Resistance means civil disobedience, as it ultimately challenges the centre of powers status quo. Resistance involves a physical presence and a sense of solidarity between those affected. People physically marching for people in solidarity. Ultimately, resistance appeals to moral law or human rights.

Although the DRC is one of the richest countries in terms of its natural resources, most of its population lives in extreme poverty. This is because of international interests in these resources, a corrupt regime and conflicting rebel groups controlling large parts of the country. Hundreds of young people took to the streets when President Kabila refused to leave his position at the end of his second term in 2016. The authorities met the protestors with violence.Large street fights between demonstrators and military forces often end up with victims on the side of the demonstrators. A lot of protestors are also arrested or forced to leave the country. But still Congolese people believe in the power of their protests and in the power of free elections and democracy.

Political resistance is an answer to dissatisfaction and repression. Marches and demonstrations are an ordinary form of democratic political action and resistance. The reactions to resistance can occur in very different ways. Political authorities can listen and can even change their politics because of resistance. Worse cases show, that resistance actions are met with violence. Not enabling people to assemble and protest in a non-violent way is a clear violation of Article 11 of the human rights declaration.

Article 11: Freedom of assembly and association

“Article 11 protects your right to protest by holding meetings and demonstrations with other people.”

The film “Kinshasa Makambo” is an important reminder, that this is one of every human being’s basic rights. This is not only relevant for countries like the DRC, it is relevant everywhere. And as we have the right to peaceful assembly, we all will assemble in a peaceful but recognizable way.

DRC – Democratic Republic of the Congo

The political reality of the Democratic Republic has been and is still to this day being shaped by armed conflict, war, violence and state oppression. However, it is important to understand, that while violence has played a major part in the history of the DRC, each individual story holds a vast complexity and dwelling into these is a necessity if we want to avoid racist stereotyping and doing the intricate nuances of this country’s justice.

In 1885 the colonial powers of the Berlin Congo Conference decided to give the territory of what today constitutes the DRC to the Belgian King Leopold II. In 1908 the brutal and inhumane system was criticized publicly for the first time and the Congo became a Belgian colony. Effectively, the hunt for ivory and natural rubber in the region laid the ground stone for a perpetual circle of conflict and great suffering for the population. Conflicts that did not end during colonialism, but to this day are still fuelled by the given parties’ interests in obtaining control of the many natural riches which DRC holds. DRC tragically remained exploited by non-state as well as state actors within the country.

In the 1950s the first African liberation movements emerged. Patrice Émery Lumumba played a big role in political resistance movements which led to the independence of the DRC in 1960. Already from the outset of political resistance, a clear pattern manifested itself: political resistance against established power holders is dangerous in DRC. Lumumba was assassinated with the help of Belgium and the American secret service in 1961 and this conducted to the takeover of Mobutu Sese Seko through a military coup in 1965. The Mobutu regime created a precedence of violent dictatorships in DRC which has continued until this day. These dictatorships have used methods of repression, corruption and exploitation to maintain their privileged position and hold on power. Many of the regimes were supported by western countries, who had an interest in gaining access to DRCs natural resources. Regime changes did not change the status quo for the oppressed population. The regime, following Mobutu’s, that of Laurent-Désiré Kabila, got the country into a regional conflict, the Second Congo war, which lasted from 1998-2003, and ended up becoming the deadliest human conflict since World War Two, with a potential death toll of more than 5.4 million people. In 2001, during the Second Congo War, the murder of Laurent-Désiré Kabila led to the overtake of power by his son, Joseph Kabila, who is still in charge today.

Kinshasa Makambo

Dieudo Hamadi is a Congolese director who follows three young men in their resistance actions in Kinshasa. The protagonists fight to create a new path for their beloved country. The documentary gives a realistic glimpse and a deep insight in the struggles of the generation of Congolese people who are fighting to be heard in an elitist system which privileges the few at the expense of many.

Ben lives in exile in New York but decides to go back to the Congo and join the struggle of his fellow countrymen. Jean Marie, just released from prison, continues his public campaign for the future of his country’s freedom, despite being continuously persecuted by the secret service. And lastly there is Christian, who fights an uphill battle in the streets of Kinshasa and does not lose hope even after being confronted by the bleak reality of the death of former Prime Minister Etienne Tshisekedi, on whom the opposition had pinned their hopes. Throughout the film, the protagonists are discussing how to resist. Whether to take it to the streets or not, whether to use violence or not and whether to cooperate with politicians or not. The difficulties and discrepancies within the resistance movement come to light, as the decision is never an easy one and needs to be asked continuously.

The documentary is screened on the 30th of November at 17:45 at Top Kino Saal 1.

This is the trailer: https://www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=tttLMee_hjg

Other references

Mbolela, Emmanuel (2015): Mein Weg vom Kongo nach Europa. Zwischen Widerstand, Flucht und Exil. Mandelbaum Verlag, Wien.

Sozialismus Info (2015): Der Kongo: Eine Geschichte kapitalistischer Ausbeutung. https://www.sozialismus.info/2013/08/der-kongo-eine-geschichte-kapitalistischer-ausbeutung/

Walzer, Michael (2017): The Politics of Resistance. In: Dissent Magazin. https://www.dissentmagazine.org/online_articles/the-politics-of-resistance-michael-walzer

Alena Breit

Toleranz als Baustein der Menschenrechte

In Zeiten, die von Globalisierungsprozessen geprägt sind, welche Menschen unterschiedlicher sozialer, religiöser und ethnischer Hintergründe immer enger zusammen bringen, wird Toleranz immer wichtiger. Sie liefert die Grundlage dafür, dass ein Miteinander funktionieren kann und ist ausschlaggebend für die praktische Umsetzung der Menschenrechte.

Heute, am 16. November findet der „internationale Tag der Toleranz“ zum 23. Mal statt. Dieser Gedenktag geht zurück auf den 16.11.1995 und strebt einen toleranten Umgang im persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Bereich an, um ein friedliches und menschenwürdiges Zusammenleben zu sichern. Seitdem erinnert die UNESCO jedes Jahr an die Erklärung der Prinzipien der Toleranz, die damals 185 Mitgliedsstaaten der UNESCO unterzeichneten.

Was genau bedeutet Toleranz?

Gemeint ist ein Umgang auf Augenhöhe, verschiedene Lebensstile zu akzeptieren und dass jeder Mensch sich die Freiheit nehmen kann, anders zu sein als Andere. Dies kann sich auf Religion, Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen, Sexualität oder Genderidentitäten beziehen.

Doch nicht überall ist diese Toleranz garantiert.

Innerhalb der Sektion embodied zeigt this human world dieses Jahr vier Filme, die sich mit der Thematik Toleranz in Bezug auf die Selbstbestimmung eines jeden Menschen beziehen. Durch diese Selbstbestimmung schaffen sich die Protagonist_innen der Filme ihre Identität sowie einen Raum abseits genereller Normen und Regeln.

Der Film TRANNY FAG zeigt die brasilianische Musikerin und Aktivistin Linn da Quebrada, welche mit Hilfe schlagfertiger Texte und aufreizender Performances die in Brasilien sehr präsente Homophobie und Transphobie kritisiert.

Die Thematik der Toleranz im Bezug auf die Sexualität und Genderrollen ist in Brasilien von einer großen Ambivalenz geprägt. Im internationalen Vergleich betrachtet führte Brasilien sehr früh eine liberale Gesetzgebung zur Gleichberechtigung von Homosexuellen ein und verbot 1989 Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung. Die Hauptstadt wirbt durch ihre scheinbare Liberalität und dem Image einer weltoffenen, toleranten Stadt viele homosexuelle Tourist_innen an und gilt somit als Brennpunkt der LGBT-Szene. Rio steht für Offenheit, Vielfalt und Freizügigkeit, am Strand von Ipanema weht weit sichtbar eine große Regenbogenflagge. In der Praxis zeigt sich jedoch ein ganz entgegengesetztes Gesicht; es gibt wenig Raum für Selbstbestimmung der Brasilianer_innen im Bezug auf Genderidentitäten und -rollen, was sich durch häufige gewalttätige Übergriffe und Morde äußert. Die offene Diskrimminierung hat in den letzten Jahren immer weiter zugenommen, womit Brasilien mittlerweile weltweit an erster Stelle bezüglich Gewalt an Homosexuellen steht. Dies gewann durch die Präsidentschaftswahlen im Okbtober 2018 zunehmend an Aktualität.

“Linn da Quebrada, to me, represents the new voice of Brazil: a black Brazilian woman flaunting her intellect as much as her queerness. She is honest and assertive in her art, speaking poignantly about race, sexuality, sex work and the politics of her transgender identity. She’s a young phoenix making dance music that lifts your spirits as much as it is a direct reaction to the transphobia plaguing Brazil and the world” – Mykki Blanco, August 2018.

Linn will mit ihren Auftritten eine soziopolitische Message verbreiten und auf die in Brasilien herrschenden Missstände aufmerksam machen. Hierfür nutzt sie den Weg der Musik und der Performance und provoziert zum einen mit Nackheit, zum anderen macht sie der Männerwelt eine Kampfansage nach der anderen: „You men. You did everything very well, right? You set up the whole circus. You have teamed up with each other. So I realize that this tactic of yours can also be corrupted. Let's take our bodies a weapons. Then the game will turn against you.“

Jedoch plädiert sie keinesfalls für mehr Toleranz innerhalb der brasilianischen Gesellschaft gegenüber verschiedener Genderidentitäten. Ganz im Gegenteil will sie einen Raum schaffen, in dem sie nicht um Toleranz und Anerkennung kämpfen muss, sondern in dem sie selbstverständlich ein selbstbestimmtes Leben führen kann.

I clap for transvestites struggling to exist and conquering every day their right to live and shine!“ - Linn da Quebrada

Paulina Gilsbach

COMPLICIT

Reiche Unternehmen & Arme Gesellschaften

Der Preis des “Glücks“

Die gesamte Anzahl verkaufter Handys, Laptops, PCs und Tablets weltweit im ersten Halbjahr 2018 beträgt fast 830Millionen Stück. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) werden fast ebenso viele Millionen Tonnen Elektroschrott in derselben Zeitspanne produziert. Knapp ein Drittel davon wird ordnungsgemäß gesammelt. Diese Zahlen scheinen erschreckend, zeigen aber die menschliche Abhängigkeit von Technologien und beleuchten die Folgen dieses Massenkonsums. Beeinflusst von Medien, Werbungen und Trends suchen wir immer nach Neuem, Besserem, Modernerem und natürlich nach den vorteilhaftesten Optionen, ohne Gedanken daran zu verschwenden, wer tatsächlich den Preis des neuesten Smartphones zahlt.

Konzentriert auf das eigene Leben und die unmittelbare Umwelt wird häufig vergessen, dass Alltagsgegenstände wie Kleidung, Essen, technische Geräte auch von jemandem hergestellt werden müssen. Dies erfordert Zeit, Mühe und Opfer der Menschen, durch deren Arbeit uns ein Luxus ermöglicht wird, in dem zu jeder Zeit alles zur Verfügung steht.

Das Thema der Ausbeutung von Arbeitskräften in Asien beschäftigt die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten. Sogar in einem Zeitalter, in dem es mehr Menschenrechtsorganisationen und -bewegungen als je zuvor gibt, entstehen Probleme mit den Rechten der Mitarbeiter_innen in Fabriken von großen Firmen wie Apple, Samsung, Foxconn und vielen mehr. Unmenschliche und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen sowie schlechte Bezahlung sind die Kosten, die von Arbeiter_innen weltweit, für unseren Komfort und den Profit des Unternehmens, getragen werden.

Complicity = Mitschuld

Der Film COMPLICITzeigt die schlechten Arbeitsumstände und die Folgen von Fabrikarbeit in China, in Anlagen von global führenden Smartphone-Anbietern. Fast 90 % der Smartphones, Laptops und Tablets weltweit werden in China produziert. Auf Grund des ständigen Drucks von Herstellern bezüglich Kostensenkung und Produktivitätssteigerung werden oft lebensgefährliche Chemikalien verwendet, die zu berufsbedingten Krankheiten führen. Der Film erzählt die Geschichten Betroffener.

Viele der Fabrikarbeiter sind auf Grund von Armut gezwungen, in Großstädte zu übersiedeln, um dort einen Job zu finden. Nur so können sie ihre Familien unterstützen. Ein Großteil dieser Arbeitsmigrant_innen sind noch Jugendliche, manche sogar jünger als 16 Jahre alt. Sie arbeiten zum Teil mehr als 60 Stunden, wobei ihnen nur ein freier Tag in der Woche eingeräumt wird. Die restliche Freizeit verbringen sie in Wohngemeinschaften der jeweiligen Fabrik. Die Arbeit mit gefährlichen Chemikalien wie Benzol und N-Hexan erzeugen Krankheiten wir Paralyse und Leukämie. Für die meisten Erkrankten wird jegliche Kompensation seitens der Unternehmen verweigert. Organisationen wie Labor Action Chinabieten Leidtragenden hierbei Unterstützung.

Yi Ye Ting

Eine der Hauptfiguren des Films, Yi Ye Ting, erkrankte mit 24 nach der Arbeit für CIMC an Leukämie. Als Aktivist und Volontär für Labor Action China hilft er nun anderen Menschen mit ähnlichen Schicksalen, Kompensationen zu bekommen. Er ist einen der wenigen unerschrockenen Menschen, die sich gegen große Unternehmen wie Foxconn auflehnen und für die Einhaltung der Menschenrechte kämpft.

Modern Slavery

Die Filmemacher thematisieren nicht die Vorsätzlichkeit großer Unternehmen sondern legen ihren Fokus auf die Gleichgültigkeit der Menschen. Sie appellieren an Menschlichkeit und das Bewusstsein, dass die Veränderung beim Konsumenten anfangen muss. Wir selbst bestimmen, ob wir uns der Manipulation zugunsten einzelner Weniger hingeben, oder wir bewusste Entscheidungen treffen und Zeichen gegen moderne Sklaverei setzen.

Elizabet Petkova

this human world - Festivalblog

Auch in diesem Jahr widmen sich die Autor_innen der festivaleigenen Redaktion wieder den, im Zuge des Festivals verhandelten, Inhalten und geben euch hier im Blog Hintergrundinformationen zu Themenschwerpunkten und Filmen.