Programm

MAI 2021


14-23.Mai: CORPUS CHRISTI

Jan Komasa

Fiction 2019, PL

114min, OmeU

Der unentgeltliche Stream erfolgt in Kooperation mit dem Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments www.europarl.eu. Der Film ist für den LUX Publikumspreis des Europäischen Parlaments nominiert www.luxaward.eu.

Der auf wahren Begebenheiten basierende Film erzählt vom 20-jährigen Daniel, der Priester werden will, aber aufgrund eines Verbrechens nicht das Seminar besuchen kann. Nach der Entlassung aus der Haftanstalt gibt er sich in einer Kleinstadt als Pfarrer aus und begeistert die traumatisierte Gemeinde mit unorthodoxen Methoden. Doch kann er den Schatten der Vergangenheit entgehen? Grandioses Drama um Schuld, Moral und Spiritualität, das Ernsthaftigkeit mit Humor vereint.


TALKING ABOUT TREES

Suhaib Gasmelbari

Dokumentarfilm 2019, QA / SD / FR / CD

93min, OmeU

Die vier in die Jahre gekommenen Mitglieder des Sudanesischen Filmclubs, nehmen sich der Aufgabe an, zwischen alten Projektoren und Filmrollen ein Freiluftkino wiederzubeleben. Die Freunde träumen dabei von einem Sudan, in dem die Kunst und das Denken frei sind, während sie versuchen, den Kinobesitzer von ihrem Plan zu überzeugen und Behörden für die Genehmigung aufsuchen. In ihren Pausen unterhalten sie sich über ihre Verfolgung als Oppositionelle, über das Filmstudium im Exil, über Folter, Truffaut und Billy Wilder. Dabei entstehen Nähe und Verbundenheit - zu einander und vor allem zum Kino. Gleichzeitig ergibt sich ein Blick auf die gegenwärtige Lage im Sudan, ein von Krisen erschüttertes Land.
TALKING ABOUT TREES wird in Kooperation mit frame[o]ut Open Air Cinema im MuseumsQuartier präsentiert! frame[o]ut sieht sich als Verbindungsstelle: das Programm ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit verschiedenen Initiativen, Kunst- und Kulturschaffenden und Festivals. So wird frame[o]ut als Freiluftkino zu einer Verschränkung von öffentlichem Raum und vielseitigem, innovativem Film, der sich in aktuelle Diskurse fügt. Ein inklusiver Raum, der zu Spontanität und Diversität im Wiener MuseumsQuartier einlädt.


QUEEN LEAR
Pelin Esmer
Dokumentarfilm 2019, TK
84min OmeU

Vor 16 Jahren gründeten einige Bäuerinnen in der Südtürkei eine Theatergruppe. Damals spielten sie die eigene Lebensgeschichte in ihrem Dorf. Heute hat dieses Stück ihre tatsächlichen Leben verändert. Nun reisen sie mit einer Adaption von Shakespeares König Lear über staubige, gefährliche Straßen auf dem Weg zu den entlegensten Bergdörfern.
Auf der Straße verschwimmt ihr Leben mit der Welt von König Lear und verbindet sich mit dem Guten und dem Schlechten, dem Jungen und dem Alten, dem Reichen und dem Armen, dem Ehrlichen und dem Unehrlichen aus dem Theaterstück.



REMAPPING THE ORIGINS
Johannes Gierlinger 2018, AT / PL
42min, DE OF

Die Vergangenheit hinterlässt Spuren. Zumindest für jene, die über sie Bescheid wissen oder wissen wollen.
Die ostpolnische Stadt Białystok, ein einst pluralistischer und revolutionärer Ort, ehemaliges Zentrum der anarchistischen Bewegung und die Geburtsstätte der Sprache Esperanto, gilt heute als Paradebeispiel des politischen Rechtsrucks. Durch Spuren der Vergangenheit, an öffentlichen Plätzen schlägt der Essayfilm eine Brücke zur Gegenwart und reflektiert Mechanismen der Geschichtsschreibung und Gedenkkultur am Brennpunkt gegenwärtiger Ideologien: Was wird vergessen, woran wird erinnert?
REMAPPING THE ORIGINS wird in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie (ÖGS) präsentiert. Die ÖGS dient der Etablierung und Entwicklung der Soziologie als wissenschaftliche Disziplin und Profession. Neben der Förderung der nationalen sowie internationalen Vernetzung der Soziologie zählt die Vermittlung soziologischer Expertise an Politik und Öffentlichkeit zu den Zielen der ÖGS. Mit der Kooperation soll Raum für Austausch entstehen, zwischen Soziolog:innen, Filmemacher:innen und einer breiteren Öffentlichkeit. Die Filmvorführung und eine daran anknüpfende Diskussion ermöglichen filmkünstlerische sowie sozialwissenschaftliche Erkenntnis- und Darstellungsweisen miteinander zu verbinden, indem disziplinäre Grenzen überschritten werden.

Neben dem Film wird eine digitale Diskussion stattfinden, die sich Ideologien, Auswirkungen des Nationalsozialismus, Erinnerungskultur, Ideen zur Weiterentwicklung einer solidarischen Gesellschaft und verwandte Themen widmet.
Dienstag, 11.05.21, 19:00-20:30
DiskutantInnen: Johannes Gierlinger, Maria Pohn-Lauggas, Andreas Kranebitter
Anmeldung via https://univienna.zoom.us/j/93319252163?pwd=K1NJUTFSaUtQd3B3ekROUUdPaHZKdz09 (Meeting-ID: 933 1925 2163 | Kenncode: remapping)

CITTÀ GIARDINO

Marco Piccarreda & Gaia Formenti

Doku-Fiktion 2018, IT

Sengende Hitze auf Sizilien, mittendrin ein verlassenes, schmuckloses Haus. Sechs unbegleitete, minderjährige Geflüchtete warten hier darauf, dass die Mühlen der italienischen Administration ihren Fall weiterbearbeiten. Monotonie und Isolation, das Smartphone als einziges Fenster zur Außenwelt, dominieren den Alltag. Doch die Jugendlichen ergeben sich nicht tatenlos der vermeintlichen Ausweglosigkeit.

CITTÀ GIARDINO wird in Kooperation mit INNCONTRO - Internationales Filmfestival der Vielheit präsentiert. INNCONTRO setzt sich zum Ziel, den Austausch über Migrationsthematiken in Form von internationalen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen und deren diskursiver Einbettung und Vermittlung zu fördern. Dabei soll die Realität der Migration weder romantisiert noch deren Akteur*innen viktimisiert werden. Im Fokus stehen somit immer auch Handlungsstrategien und widerständige Praktiken der Protagonist*innen.


MAI 2021


präsentiert am human rights film hub:
Culture x Change # Mini-Fespaco de Vienne 2021

27. - 30. Mai, 2021 - online

Culture X Change setzt auf die Kraft der Bilder. Culture X Change wird aufgrund der nach wie vor prekären gesundheitlichen Situation online über die Bildschirme flimmern. In enger Kooperation mit dem größten afrikanischen Filmfestival FESPACO in Ouagadougou (Burkina Faso) und der Mini Fespaco de Vienne werden exklusiv und exemplarisch aktuelle afrikanische Filmproduktionen gezeigt. Die ausgewählten Spielfilme und Dokumentationen legen einen Schwerpunkt auf Länder der Sahelregion.

Culture X Change # Mini Fespaco: Eröffnungsfilm IT MUST MAKE PEACE
anschließendes Filmgespräch "Desert Blues. Cultural Activism in the Sahel"
27. Mai 2021, 18.30 - 21.30 Uhr

Paul Chandler I Brian David Melnyk,
Dokumentarfilm 2017, ML
83min, OmeU - Österreich-Premiere

In «It Must Make Peace» dokumentiert Regisseur Paul Chandler über drei Jahre lang musikalische Traditionen in abgelegenen und oftmals politisch unsicheren Gegenden in Mali. Der Film fängt die Leidenschaft für die Musik ein und zeigt, wie diese unterschiedlichste Menschen zusammenbringt. Interviews mit weltbekannten Musikerpersönlichkeiten wie Afel Boucum und Toumani Diabaté geben Zeugnis über deren musikalischen Wurzeln und Denkweisen. Eines ist allen gemein: Mitten in wachsenden wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten, religiösem Extremismus und zunehmender Globalisierung sehnen sich alle nach Einheit und Frieden.
Im Anschluß 20:00 - 21:30:


Culture X Change # Mini Fespaco: LE LOUP D'OR DE BALOLÉ - THE GOLDEN WOLF OF BALOLÉ
Fr., 28. Mai 2021, 18:30 - 19:35 Uhr
Chloé Aïcha Boro
Dokumentarfilm 2019, BF / FR
65min, OmeU

Im Herzen von Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, liegt ein Granitsteinbruch. Fast 2.500 Menschen, Erwachsene und Kinder schuften dort unter härtesten Bedingungen. Im 'Loch', wie sie ihren Arbeitsplatz selbst nennen, leben sie am Rande einer Gesellschaft, die sich weigert, die Menschen wahrzunehmen.
Aber im Jahr 2014 geht das Volk auf die Straße und vertreibt den langjährigen Präsidenten Blaise Compaoré. Hoffnungen auf demokratische Veränderungen und bessere Lebens - bedingungen keimen auf. Auch die Menschen im Steinbruch fassen Mut und wollen ihre ausbeuterischen Arbeitgeber nicht länger akzeptieren. Sie organisieren sich und bauen einen eigenen Vertrieb auf, der mehr Einnahmen verspricht. Solidarität anstelle von Raffgier, so lautet die hoffnungsvolle Devise.

Culture X Change # Mini Fespaco: FÉLICITÉ
Fr., 28. Mai 2021, 20:30 - 22:17 Uhr
Alain Gomis
Spielfilm 2017, FR, SN, LB BE, DE,2017,
123min, OmdU, Preisträger FESPACO 2017

Die Straßen von Kinshasa mögen größtenteils Pisten sein, Félicité, alleinerziehende Mutter und Sängerin, ist eine Frau der Großstadt. Als sich ihr Teenager-Sohn bei einem Motorradunfall verletzt, tut sie sich schwer, das nötige Geld für seine Behandlung aufzubringen. Sie treibt alte Schulden ein und scheut dabei weder Beschimpfungen noch Demütigungen. Auf ihren Fersen führt Gomis den Zuschauer durch einen Stadtraum geprägt von harten Gegensätzen, aber auch voller alltäglicher Poesie und urbanem Zusammenhalt. Wenn Félicité nächtens im Club singt, vibriert die Luft vor lauter Emotion.

Culture X Change # Mini Fespaco: DESRANCES
Sa., 29. Mai 2021, 18:30 - 20:06 Uhr
Apolline Traoré
Spielfilm 2019, BF
96 min, OmeU

Nach dem brutalen Massaker an seiner Familie in Haiti lässt sich Francis Desrances an der Elfenbeinküste nieder. Jahre später warten Francis, seine Frau Aissey und die 12-jährige Tochter Haila auf die Geburt eines Sohnes, der zu Francis 'Erregung und Hailas Verärgerung sofort als würdiger Erbe des Namens Desrances angesehen wird. Als die Geburt bevorsteht, bricht in Abidjan ein Bürgerkrieg aus und im Nahkampf wird Aissey vermisst. Haila tritt mutig auf eine Weise vor, die die Vorstellung ihres Vaters, was einen rechtmäßigen Erben ausmacht, in Frage stellt. Apolline Traorés häusliches Drama, das ihren Status als kühne Stimme im zeitgenössischen Filmemachen festigt, eskaliert zu einem intensiven Thriller, der die leidenschaftlichen Geschlechterrollen leidenschaftlich herausfordert und gleichzeitig die menschlichen Kosten von Bürgerkriegen hervorhebt.
Gespräch mit Apolline Traoré im Anschluß an den Film

Culture X Change # Mini Fespaco: LE CIMETIÈRE DES ELEPHANTS
Sa., 29. Mai 2021, 20:30 - 22:00 Uhr
Eléonore Yaméogo
Dokumentarfilm 2018, FR / BF
92 min, OmeU - Österreich-Premiere

Der Dokumentarfilm der burkinischen Regisseurin Eléonore Yaméogo wurde bei der Fespaco 2019 erstmals ausgestrahlt. Er handelt von ehemaligen Missionaren, den "weißen Vätern" in Afrika und ihren Rollen bei der Kolonisierung Afrikas. In der geschlossenen Welt eines Altersheims in Frankreich plaudern sie über den Alltag ehemaliger Missionare. Sie missionierten in Westafrika vor der Unabhängigkeit.
Ihr Heim ist ein Ort der Ruhe, der von den Bewohnern ironischerweise "der Elefantenfriedhof" genannt wird. Etwa 30 Bewohner leben dort, darunter sogar Pater François de Gaulle, ein Neffe von General Charles de Gaulle, einem der führenden Politiker Frankreichs nach dem 2. Weltkrieg.
Diese weißen Väter erzählen in der Dokumentation über ihr Leben in Afrika, sprechen über ihre Mission und ihren Platz in der Geschichte der Kolonisierung.
Es sind die letzten Elefanten, die hier ihre Erinnerungen preisgeben.
Zum Weiterlesen: Le cimetiere des Elephants DOSSIER ANGLAIS

Culture X Change # Mini Fespaco: The Mercy of the Jungle
So., 30. Mai 2021, 18:30 - 20:00 Uhr
Joel Karekezi
Spielfilm 2019, RW / BE / FR / DE
91min, OF französisch
Etalon de Yennenga - Hauptpreis der FESPACO 2019 für den besten Film.

Im Zweiten Kongokrieg werden zwei ruandische Soldaten im Dschungel ausgesetzt. Der erfahrene Offizier und der junge Infanterist kämpfen ums Überleben und gegen die Malaria - und schließen eine unerwartete Freundschaft, die es ihnen ermöglicht, sich ihre traumatischsten Erfahrungen anzuvertrauen. Das zweite Werk des jungen ruandischen Regisseurs Karekezi, dessen Vater im Genozid von 1994 ums Leben kam.
Gespräch mit Joel Karekezi im Anschluß an den Film

Culture X Change # Mini Fespaco: THE PERIMETER OF KAMSÉ
So., 30. Mai 2021, 20:30 - 22:00 Uhr
Olivier Zuchuat
Dokumentarfilm 2020, CH / FR
93 Min, OmeU

Das Dorf Kamsé in Burkina Faso wird durch die Auswirkungen der Wüstenbildung dezimiert.
Um ihr Überleben zu sichern, beginnen die Dorfbewohner*innen mit der Begrünung der ausgetrockneten Landschaft. Mit Schaufeln und Spitzhacken wehren sie sich, ihr Land an die Wüste abzutreten. Sie errichten Deiche, pflanzen Hecken und Bäume.
Regisseur Olivier Zuchuat erweist sich dabei als ein geduldiger Beobachter und schafft eine poetische und kontemplative Geschichte mit Standbildern, die die ausgetrocknete Landschaft fühlbar machen.